Die Chronik vom Jahr 1929

Ebenfalls im Januar sollte ein Vortrag des KptLt. von Mücke erfolgen, der über seine Fahrten mit der „Emden“ und „Ayesha“ berichten wollte. Kamerad Hahs stellte für die Heizung des Saales drei Zentner Koks zur Verfügung. Da Traditions- und Kameradschaftspflege neben der Zusammenarbeit mit allen soldatischen Verbänden immer Anliegen des Vereins waren, war es auch selbstverständlich, daß bei Familienereignissen der Mitglieder immer Anteil genommen wurde. Im Dezember endete die Zusammenkunft daher mit einer Dankesrunde für die Aufmerksamkeiten zur Silberhochzeit des Vorsitzenden. In der Februarversammlung gedachte man der Vollendung des 65. Lebensjahres Admirals v. Reuten. Er war der Flottenchef, der in Scapa Flow die Flotte versenken ließ, um sie nicht ausliefern zu müssen. Zum ersten Mal gab es bei der Rechnungslegung ein Guthaben, das bei der Lauenburgischen Landesbank als Vereinsvermögen eingezahlt wurde.

Im März nahm man wieder mit Fahnenabordnungen am Volkstrauertag teil. Auf dieser Versammlung wurde an einen notwendigen Vereinsschrank erinnert, da die Flagge unter Glas aufbewahrt werden sollte. Es wurde schnelle Abhilfe beschlossen. Beschlossen wurde auch, daß der Restbeitrag des für den Verein vom Marinebund festgelegten Betrages von 350.- Mark für das Marineehrenmal mit dem Mitgliedsbeitrag im April abgeführt werden sollte.

Man interessierte sich auch für die Arbeit der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und beschloß, dieser Gesellschaft im April mit einem Jahresbeitrag von 5.– Mark beizutreten. Schon jetzt begannen die Vorbesprechungen für das Sommervergnügen, um Vorfreude und Teilnahmebereitschaft zu wecken. Da Kamerad Hahs Familienzuwachs bekommen hatte, endete die Aprilversammlung mit einer Gratulationscour und geselligem Beisammensein bei Musik und Tanz.

Im Mai verlas der Vorsitzende ein Anerkennungsschreiben des Gauverbandes Nordmark, wonach Ratzeburg der erste Verein im Gau und der sechste im Reich war, der seinen Verpflichtungen zur Finanzierung des Ehrenmales bisher nachgekommen war. Auf dieser Versammlung ehrte man den verstorbenen Admiral Prinz Heinrich v. Preußen und den verstorbenen Kameraden Voth. Als Abgeordneter, mit 15.– Mark Entschädigung, wurde der 1. Vorsitzende zum Gautag nach Kiel delegiert. Er sollte dafür sorgen, daß der nächste Gautag in Ratzeburg abgehalten werden würde. Bedingung war, daß ein möglicher Unterschuß auf den Gau umgelegt werden könnte.

Das für August geplante Sommervergnügen in der Farchauer Mühle verlief zu aller Zufriedenheit und mit einem finanziellen Gewinn.

Kamerad Voß hatte erreicht, daß der nächste Gautag in Ratzeburg stattfinden konnte. Sofort wurde mit der Durchführungsplanung, begonnen.

In Zukunft sollte bei Trauerfeiern für verstorbene Kameraden der Sarg mit einer Kriegsflagge geschmückt werden. Spenden zur Beschaffung einer solchen Flagge wurden angeregt. Aus dem Jahresbericht der Hauptversammlung ist zu ersehen, daß es zwei Ehrenmitglieder, 35 Mitglieder und drei Freunde im Verein gab. Zehn Versammlungen wurden im Laufe des Jahres abgehalten, die von 30% der Mitglieder besucht wurden. Zwei Kameraden waren zur letzten Ruhe geleitet worden. Da man guten Erfolg mit den Weihnachtsfeiern hatte, sollte wieder eine ausgerichtet werden. Ein Winterfest mit Essen und Tanz wurde für Januar vorgesehen. Es wurde auch bekannt gemacht, daß der Vereinsschrank inzwischen beim Maler war. Die Hauptversammlung endete in einem gemütlichen Beisammensein mit Damen.

Zur Novemberversammlung war der Vereinsschrank geliefert, und alle freuten sich, weil die Flagge endlich unter Glas aufbewahrt werden konnte.

Schneller als erwartet wurde eine neue Kriegsflagge als Sargschmuck von zwei neuen Kameraden gestiftet. Ein unverbindliches Programm zum Gautag wurde erörtert. Zeitpunkt etwa Ende Mai oder Anfang Juni. Mitwirkende: Reichswehrkapelle, Liedertafel, Turnverein. Ablauf: Kommers, Ausmarsch nach Farchau, Tagung „Domfähre“, Tanz „Nordischer Hof“.

Nach Weihnachtsfeier und Wintervergnügen ging die Vereinsarbeit weiter. Zur Organisation des Gautages wurden fünf Kommissionen gebildet.

Der Volkstrauertag verlief wegen unruhiger politischer Zustände im Reich ohne Aufmarsch, es fand ein Gedenkgottesdienst statt. Die Flagge des Vereins fand dabei an würdiger Stelle ihren Platz.

Am 21. Dezember nahmen die Kameraden Abschied von ihrem ersten Ehrenmitglied; Admiral v. Bülow war plötzlich und ohne Krankenlager verstorben. Es gab eine würdige Trauerfeier ohne Bestattung, da die Leiche nach Mecklenburg überführt worden war.